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Danke, Nandy!

26. August 2010

Wasserball ist ein Mannschaftsport. Doch in einer Mannschaft braucht es Leader, Spieler die sowohl mit ihrem technischen und taktischen Können wie auch mit ihrer Persönlichkeit das Team positiv beeinflussen und den Erfolg herbeiführen können. Eine solche Persönlichkeit ist Nandor Tary, der Captain der Kreuzlinger A-Wasserballer. Jetzt, nach zwölf erfolgreichen Jahren tritt er vom aktiven Sport zurück. An fünf Meistertiteln und zwei Cupsiegen war er beteiligt. Seit ich in Kreuzlingen Wasserball verfolge (und zum Fan geworden bin), erlebe ich, wie Captain Tary im Becken Einfluss auf seine Mitspieler nimmt und als verlängerter Arm des Meistertrainers Sirko Roehl wirkt.
Nandy ist bescheiden und ruhig, doch in dem, was er will und tut, absolut entschlossen. Das verschafft ihm die Autorität als Teamleader – und jetzt bestimmt auch als Hauswart des Wehrli-Schulhauses. Der Ungare Tary ist zudem ein Beispiel für geglückte Integration, was immer ein Verdienst beider Seiten – der Zugezogenen wie auch der Einheimischen – ist. Nandy hat viel für den Club, den Sport allgemein und damit auch für Kreuzlingen getan. Dafür danke ich ihm im Namen der Bevölkerung herzlich. Den Dank können wir ihm alle an diesem Samstag um 19 Uhr im Schwimmbad Hörnli persönlich abstatten, wenn er in einem Abschiedsspiel sein Können noch einmal zeigen wird.

Unser Bild von Kreuzlingen

19. August 2010

Heute brauche ich Ihre Mithilfe. Wir planen eine Broschüre, mit der wir die Stadt darstellen und vorstellen wollen – eine sogenannte Image-Broschüre. Kreuzlingen soll für Aussenstehende ein Gesicht bekommen, ein sympathisches und unverwechselbares. Aber auch uns Einwohnern kann eine solche Broschüre helfen, die Stadt als Ganzes und vielleicht auch mit neuen Augen zu sehen. Dazu braucht es Bilder und Symbole. Doch auch sonst stellt sich unserem Marketing immer wieder die Frage, wie man Kreuzlingen – etwa in einer Publireportage für einen touristischen Führer – in einem Bild darstellen und symbolisieren kann. Bis jetzt wählte man häufig den historistischen Bau der Seeburg (mit bunten Blumen im Vordergrund). Ebenfalls oft verwendet wird das Sujet der Klosterkirche St. Ulrich (ohne Blumen).
In einer Zeit, in der sich die Stadt entwickelt und sichtbar verändert, stellt sich die Frage, wie wir unsere Stadt sehen beziehungsweise von aussen gesehen haben wollen: historisch, lebendig, modern, grün, wirtschaftlich, landschaftlich, sportlich, international, kulturell, schräg? Gibt es Ansichten, Sujets oder Objekte, die geeignet sind, unser Kreuzlingen zu symbolisieren? Was ist unser Bild von Kreuzlingen im Jahr 2010 und darüber hinaus? Es würde mich freuen, wenn Sie mir dazu einige Hinweise geben könnten.

Traditionen

12. August 2010

Es sind zwei ungleiche Partnerstädte, doch die Beziehung scheint dauerhaft. Ja, zuweilen spürt man echte Liebe. Dies vor allem dann, wenn man als Kreuzlinger Cisternino besucht. Das habe ich – zusammen mit meiner Partnerin und meiner Mutter – letzte Woche getan. Und wenn ich diese wunderschöne apulische Stadt nicht schon bei meinem ersten Besuch im letzten November lieb gewonnen hätte, spätestens in diesem Sommer habe ich sie und ihre Bewohner ins Herz geschlossen. Wie immer wurden wir herzlich empfangen und fürstlich bewirtet. Höhepunkt war das Stadtfest zu Ehren der Schutzheiligen Cisterninos: San Quirico und Giulitta. Die Stadt war mit wunderschönen Lichterbögen geschmückt, unter denen die feierliche Prozession hindurch schritt. Ich durfte an der Seite meines Amtskollegen und Freundes Gino Convertini die Gruppe der weltlichen Würdenträger anführen.
Cisternino ist um eines zu beneiden: ihre Traditionen, wie sie sich gerade an diesem Anlass zeigen. Der Stadt geht es nicht so gut, eine hohe Arbeitslosigkeit von 20 Prozent plagt sie ebenso wie der Bevölkerungsrückgang infolge Abwanderung. Doch wenn am ersten August-Wochenende die hier Geborenen aus allen Ecken der Welt heimkehren, wenn auf der Piazza mitten im Centro storico Blaskapellen konzertieren und in den unzähligen Restaurants einheimische Spezialitäten aufgetischt werden, dann spürt man eine Kultur, wie sie auch Kreuzlingen gut täte. Noch sind wir dazu nicht zu gross. Und Gelegenheiten bieten sich im August gleich dreimal: am Seenachtfest, am Löwenstrassen-Fest und an der Jazz-Meile. Ci vediamo!

Besonnenheit

29. Juli 2010

Dieses Jahr kommt der 1. August beziehungsweise unser Nationalfeiertag gerade zur rechten Zeit. Denn etwas Einkehr und Besinnung ist angesagt. Da brechen die einen ohne Not eine EU-Beitrittsdebatte vom Zaun. Ausgerechnet in einer Zeit, wo die EU mit ihren Druckversuchen auf die Schweiz ein unschönes Gesicht zeigt und zudem die Konstruktionsmängel dieser Organisation offen zutage treten. Überregulierung, eine gewaltige Bürokratie und hohe Steuern wiegen heute schwerer als nicht klar bezifferbare wirtschaftliche Vorteile und theoretische Mitbestimmung. Verständlich, dass die Schweiz als solventer Nettozahler in der EU hochwillkommen wäre.
Die Schweiz ist ein Erfolgsmodell, auf das wir stolz sein können. Allerdings sollten wir nicht gleich so überheblich sein zu meinen, unsere Nachbarn sollten alle der Schweiz beitreten. Die Tatsache, dass dies viele Bürger angrenzender Regionen gerne tun würden, zeigt uns (und ihren Regierungen) aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Pflegen wir deshalb unsere Stärken und das, worum uns andere ganz offensichtlich beneiden und an dem sie teilhaben möchten. Lassen wir uns deshalb gerade jetzt nicht auseinander dividieren und in unnötige politische Schaukämpfe verwickeln. Besonnenheit, Standhaftigkeit und Einigkeit – oder Entschlossenheit und Geschlossenheit sind heute mehr denn je gefragt.

Rücksicht

22. Juli 2010

Vielleicht hängt es nur mit der Jahreszeit zusammen, vielleicht auch mit zunehmender Empfindlichkeit. Auf jeden Fall häufen sich zurzeit bei der Stadt die Klagen über Lärmbelästigungen in der Nachbarschaft. Da hört man spät abends oder eher früh morgens die Gäste einer Bar nach Hause gehen oder eine angeheiterte Gesellschaft im Garten die Sommernacht geniessen, Jugendliche spielen zu früh oder zu spät auf der Quartierwiese Fussball, frisierte Autos beschleunigen auf den kürzesten Strecken voll, stampfende Bässe dröhnen aus vorbeifahrenden Autos, Rasen werden gemäht, wenn man draussen zu Abend essen will, aus offenen Fenstern dringen Lustschreie und vieles mehr. Die Kantonspolizei, die für Nachtruhestörungen und deren Ahndung zuständig ist, könnte sich im Sommer fast ausschliesslich um solche Fälle kümmern, wenn es da nicht auch noch Unfälle, Einbrecher, Raser und Gewalttäter – männliche und weibliche – gäbe.
Am Ende aber erwartet man von “der Stadt”, dass sie die Fehlbaren findet und sie zur Raison bringt. Und das auch, wenn sich Leute im gleichen Quartier oder gar Nachbarn aneinander stören. Dabei liegt all dem Ärger ein Verhaltensmuster zugrunde, das sich heute auch bei Raufereien und Schlägereien zeigt: Rücksichtslosigkeit. Diese hat zugenommen, obwohl doch die Dichte der Besiedlung und die daraus entstehende Nähe der Bewohner gerade mehr Rücksichtnahme nahe legen würde. Mit mehr Regeln und Verboten lösen wir dieses gesellschaftliche Problem jedoch nicht.

Sommer-Jobs

15. Juli 2010

Die Hitze der letzten Tage war für unsere Breitengrade extrem. Sie verlangte dem Kreislauf vieler Menschen einiges ab. Gerade für uns Bürolisten ist es kaum vorstellbar, dass bei diesen Bedingungen auch harte körperliche Arbeit verrichtet wird, etwa auf Baustellen oder beim Unterhalt von Strassen und Gärten. Auch sind längst nicht alle Arbeitsstätten im Schatten auch wirklich kühl. Glück hat, wer über eine Klimaanlage oder einen Ventilator verfügt. All denen, die unter diesen Bedingungen das reibungslose Funktionieren des öffentlichen Lebens – Bahn, Bus, Einkaufsläden, Restaurants, Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Reparaturdienste, Polizei, Feuerwehr, Stadtverwaltung etc. – ermöglichen, sei an dieser Stelle herzlich gedankt – auch den Medienschaffenden, selbst wenn sie in der ereignisarmen Sauregurkenzeit mit ihren heissen News nicht für Abkühlung sorgen.
Ein Berufsstand könnte im Hochsommer allerdings noch etwas zulegen: die Architekten. Vielleicht nutzen einige von ihnen die Ferien im Süden neben der Erholung auch dazu, sich in Sachen Klimatechnik weiterzubilden. Haben wir es tatsächlich mit einer ernsthaften Klimaerwärmung zu tun, gewinnt der richtige Umgang mit Sonneneinstrahlung und Hitze auch bei unseren Neubauten an Bedeutung. Und wir alle können von den Spaniern - neben Fussball spielen – lernen, dass im Sommer eine ausgedehnte Siesta mehr bringt als ein kurzer Power-Nap.

Politischer

08. Juli 2010

Ein regelmässiger Leser meiner Kolumne meinte unlängst am Rande einer Podiums-Diskussion, die Texte seien ja interessant und auch unterhaltsam, aber sie sollten “noch politischer” ein. Da gleichzeitig schon die zweite Halbzeit des Fussballspiels Spanien gegen Deutschland lief (die ich am Ende aber ebenso verpasste wie die erste), fragte ich nicht nach, was er denn mit “politischer” meine. Vermutlich erwartet er angriffigere Texte mit klaren Meinungsäusserungen zu aktuellen politischen Themen, vielleicht auch etwas Provokation. 
Einem Journalisten geht der politische Kommentar leicht von der Hand. Das Einteilen in richtig und falsch, in Gut und Böse hat für ihn keine Folgen. Medien tragen keine politische Verantwortung für ihr publizistisches Tun. Als Stadtammann habe ich weniger Freiheit. Ich bin Teil einer Kollegialbehörde und diese wiederum ist in einen politischen Prozess eingebunden. Wenn es um Fragen oder Projekte geht, die aktuell unsere Stadt betreffen, fliesst meine Überzeugung in die Meinungsbildung des Stadtrates ein. Es wäre gegenüber meiner Kollegin und den Kollegen unfair, meine Haltung jeweils vorab schon in der Öffentlichkeit zu verbreiten – und so das Privileg dieser Kolumne zu missbrauchen.

Tourismus?

01. Juli 2010

Das Fazit des Tourismus-Experten der Uni St. Gallen war klar: Im Bodenseeraum findet messbarer Tourismus praktisch nur am deutschen Ufer statt. Lindau, Friedrichshafen und Konstanz sind die Spitzenreiter bei den Übernachtungen, Konstanz (mit der Insel Mainau) schwingt bei den Tagestouristen mit über 6 Millionen Besuchern weit obenaus. Der Bodensee als Tourismus-Destination ist bekannt, allerdings nur im deutschsprachigen Raum. Deshalb stammen laut einer Umfrage bei den Leistungsträgern rund 85 Prozent der Gäste aus Deutschland, 10 Prozent aus der Schweiz und der Rest aus dem EU-Raum.
Der Bodensee zieht also Gäste an, nun gilt es, sie auch an unser Ufer zu locken. Damit sie aber wirklich kommen, benötigen wir auf der Schweizer Seite bessere Verbindungen über den See, mehr Übernachtungsmöglichkeiten sowie buchbare Angebote und eine professionelle Vermarktung vor allem in Deutschland. Das aber können die Gemeinden und regionalen Tourismus-Vereine nicht leisten. Deshalb brauchen wir eine gestärkte kantonale Tourismus-Organisation, die eng mit den lokalen Tourismus-Büros, den Anbietern und Leistungsträgern zusammenarbeitet. In Kreuzlingen haben wir gute Voraussetzungen, können doch die Touristen aus Konstanz trockenen Fusses zu uns kommen. Im Moment sind es aber noch vor allem Benzin-Touristen.

Grenzland

24. Juni 2010

Das Gedankenspiel ist reizvoll, auch wenn aus der im Nationalrat eingereichten Motion der SVP eine gewisse Unbescheidenheit oder (laut Bundesrat) “Provokation” spricht. Die Schweiz solle die Integration grenznaher Regionen unserer Nachbarländer als neue Kantone erleichtern, lautet die Forderung der neuen Integrations-Partei. Man kann sich durchaus fragen, was passieren würde, wenn die Landesgrenzen zur Disposition stünden und nach dem Willen der Bürger neu gezogen werden könnten. Bekanntlich stiess ja eine Avance der Vorarlberger nach dem ersten Weltkrieg bei der Schweiz auf wenig Gegenliebe. Heute wären sie auch von der SVP willkommen.
Ob sich allerdings gleich ganz Baden-Württemberg mit fast 11 Millionen Einwohnern der Schweiz anschliessen würde, ist fraglich. Immerhin haben aber in einer Umfrage des “Südkuriers” 60 Prozent der Teilnehmer den Wunsch nach einem Wechsel der Nationalität – oder zumindest des Steuersystems geäussert. Vielleicht macht ja unseer Nachbarstadt den ersten Schritt und beruft nach dem Vorbild des Wiener Kongresses ein Konstanzer Konzil ein, an dem Staatsmänner und Politiker die inneren Grenzen Europas neu ordnen könnten. Und vielleicht hätte ja die Gastgeberin Konstanz selbst einen entsprechenden Wunsch – abgesehen von einem Kongresshaus. Wir hätten nichts dagegen.

Geduldig

17. Juni 2010

Wer an der Hauptstrasse zwischen Löwenkreisel und Helvetiaplatz sein Geschäft hat oder sonst arbeitet, hat zurzeit einiges auszuhalten: Baustellen, Lärm, Dreck, Abschrankungen, Umleitungen. Mit Hochdruck wird an den Werkleitungen und an der Gestaltung des Boulevards gearbeitet. Da lassen sich solche Beeinträchtigungen nicht vermeiden. Es wird aber von der Bauleitung das Mögliche getan, um diese im Rahmen zu halten. Dass die Bauarbeiten “unter Verkehr” und das heisst unter erschwerten Bedingungen erfolgen – und sogar noch Autokorsos nach Siegen an der Fussball-WM ermöglichen -, stellt hohe Anforderungen an die Arbeiter. Für diese Leistung sei ihnen an dieser Stelle gedankt. Ein Lob haben aber auch die Geschäftsleute an der Hauptstrasse verdient. Sie ertragen die sicher nicht einfache Situation zähneknirschend aber geduldig. Denn sie wissen: Am Ende wird aus der Hauptstrasse ein schöner Boulevard, eine Strasse, in der Einkaufen mehr Spass macht.
Mittlerweile hat die Baukommission die sogenannte Möblierung bestimmt, von den Sitzbänken über die Veloständer bis zu den Abfallkübeln. Auch die Beflaggung für die Portale wurde probehalber schon mal aufgehängt. Ja sogar die Adventsbeleuchtung steht schon fest. Die Besichtigung der Muster fand jedenfalls in den letzten Wohen unter fast saisongerechten Klimaverältnissen statt.